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Verein

ÖGUHM / ASUHM
Österreichische Gesellschaft für Unterwasser- und Hyperbarmedizin
Austrian Society for Underwater and Hyperbaric Medicine
Krottenbachstr. 267/1/10, 1190 Wien

ZVR Zahl: 981 547 217

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Veröffentlicht: 7 März 2021

Alter:                                    54a

Geschlecht:                         weiblich

Brevet:                                 PADI DM, >1000 TG, erfahrene Taucherin

Zeit:                                      16:00, November,

Gewässer:                           Rotes Meer, gute Sicht, wenig Strömung, 26°C Wassertemperatur

Anamnese:                          keine relevanten Vorerkrankungen, topfit, gute Hydratation, keine Medikamente, keine Drogen, kein Alkohol

Atemgas:                             NITROX 32/68, 12 Liter Stahlflasche, INT Anschluss

Tauchgang:                         Safariboot 4. Tag, 3. Tauchgang des Tages, max. Tiefe 21 m, Nullzeit-TG Taucherin schloß sich zum Fotografieren als Dritte einer 2er Buddygruppe an.

Buddie(s):                            Buddies mit ca 250 TG, ebenfalls NITROX 32/68, beide 15 Liter Flaschen

Ausrüstung:                         eigene Ausrüstungen, jeweils mit zwei 2. Stufen

TÖDLICHER Tauchunfall:


Auffindung:

Vermutlicher Unfallhergang:

NICHT tödlicher Tauchunfall:


Unfallhergang:                    Taucherin blieb zurück, um zu fotografieren – plötzlich Riss des O-Rings der 1. Stufe (INT-Anschluss) und vollständiges Abblasen des Atemgases binnen kurzer Zeit. Taucherin konnte nur mit Mühe die Buddies erreichen, die sofort mit alternativer Luftversorgung aushalfen und die Taucherin kontrolliert zur Oberfläche begleiteten..

Vermutliche Ursache?: O-Ring war gegen Ende des TG gerissen – Fotografin zeigte ihren Buddies nicht an, dass sie zurückbleiben wird, um zu fotografieren. Buddies schwammen weiter und schauten nicht mehr zurück.

THERAPIE


Erste Hilfe:                                      alternative Luftversorgung

Weitere Therapie:                          keine

Tauchmedizinische Diagnosen:  keine

Unfallfolgen:                                  keine

Bemerkungen:                                Schiff musste außerdem Anker lichten und auf anderer Seite des Riffes neuerlich ankern. Dadurch war sehr lange Strecke über das Riff am Ende noch zu schwimmen. Konnte aber dann mit Schnorcheln an der Oberfläche und Aufblasen des BDC bewältigt werden.

Kommentar der ÖGUHM:

Taucher, die fotografieren, schwimmen oft viel langsamer als eine Gruppe. Es wäre daher wichtig schon VOR dem TG einen Buddy zu suchen, der ebenfalls fotografiert oder der strikt in der Nähe mit Auge auf den Fotografierenden taucht. In der Nullzeit zu bleiben erlaubt jedenfalls bei Problemen sofort kontrolliert auftauchen zu können.

O-Ringe platzen meist schon beim Luftcheck VOR dem TG, aber wie man sieht, kann das auch später passieren. O-Ringplatzer passieren eher bei INT Anschlüssen, zb. duch leichtes Verkanten beim Anschrauben an die erste Stufe. Wechsel auf DIN Anschluss könnte das Risiko mindern.

Bei jedem TG vom Schiff aus daran denken, dass man eventuell eine weitere Strecke am Ende des TG zurückschwimmen muss, weil das Schiff seinen Standort wechseln musste. Daher IMMER Schnorchel dabei haben. Gute Fitness hilft bei unvorhergesehenen Problemen

Veröffentlicht: 20 April 2021

Alter:                    56

Geschlecht:        männlich

Brevet:                 unbekannt

Zeit:                     Sylvester/ Neujahr

Gewässer:         Malediven

Anamnese:         sehr fitter, ehemaliger Leistungssportler

Atemgas:           NITROX 32/68

Tauchgang:        Nachmittagstauchgang als erster des Tages, einige TG an den Tagen davor, alles Nullzeittauchgänge lt.   Patient alle Regeln eingehalten.

Buddie(s):          Gattin

Ausrüstung:      12 Liter Tank, Shorty


TÖDLICHER Tauchunfall:

Auffindung:

Vermutlicher Unfallhergang:


NICHT tödlicher Tauchunfall:

Unfallhergang:

Banale Ursache – Schlimme Folgen Hat vor dem Nachmittagstauchgang am Neujahrstag 3 starke Kaffees getrunken, um Hangover zu bekämpfen und war tauchen gegangen. Laut Taucher sonst keine Flüssigkeitseinnahme!

Vermutliche Ursache?:

DEHYDRATATION nach zu viel Alkohol am Vortag und Kaffeeekonsumation vor dem TG.

THERAPIE


Erste Hilfe:

Normobarer Sauerstoff bis zum Eintreffen in der DK nach ca. 3 Std.

Weitere Therapie:

Dort bei Aufnahme Paraplegie bd unterer Extremitäten mit Blasen- und Mastdarmstörung. Versorgung mit Blasenkatheter –

2 x DK Therapie USN T6 + ext, Ringer-Lactat Infusionen – anschließend täglich HBO Wundschema, insgesamt 14 Behandlungen bis Repatriierung

Tauchmedizinische Diagnosen:

DCS II, Spinale DCS mit Paraplegie, Blasen- und Mastdarmstörung.

Unfallfolgen:

langsame Besserung der Paraplegie und Mastdarmstörung, Blasenstörung besserte sich, jedoch Restharnbildung bestand weiter, Selbstkatheterismus zur Blasenentleerung war notwendig. Patient erhielt Physiotherapie und war nach Wochen wieder in der Lage selbständig zu gehen.

Bemerkungen:

3 Monate nach Rückkehr bekam Pat. plötzlich hohes Fieber und „Ausschläge an den Beinen – Im Spital wurde „Vasculitis“ festgestellt, in weiteren Untersuchungen wurde als Ursache des hohen Fiebers eine Endocarditis (= Entzündung der Herzklappe) mit dem Blasenkeim! (E. coli) und Zerstörung der Mitralklappe festgestellt. Klappenersatz wurde notwendig. Sehr lange Rekonvaleszenz. Hat nie mehr getaucht.

Kommentar der ÖGUHM:

Dieser Tauchunfall mit seinen tragischen Folgen, zeigt, dass man nur vollfit, ausgeruht und gut hydriert tauchen gehen soll. Wenn man den Angaben des Tauchers vertrauen darf, so wurden von Seiten des Tauchers die Regeln eingehalten (Nullzeittauchgang, langsamer Aufstieg, Safety Stop)

Als wahrscheinlichste Ursache lässt sich eine DEHYDRATATION, verursacht durch erhöhten Alkoholkonsum in der Nacht davor und anschließendem Kaffeekonsum, der wiederum dehydrierend wirkt, festmachen. Fehlende adäquate Flüssigkeitszufuhr vor dem TG. Tragisch sind die Unfallfolgen durch die Blasenstörung, die schlussendlich zur Endocarditis mit Zerstörung der Mitralklappe führte.

Veröffentlicht: 14 Mai 2021

Alter:                     40

Geschlecht:         Männlich

Brevet:                  zum Zeitpunkt des Tauchunfalles – Intro to Tech TDI / Beginn Tauchkarriere Mai 2015 / 315 TG Gesamt / pro Jahr im Schnitt 60 TGs / 28 TG letzte 3 Mon.

Zeit: 23.05.2020 / ca. 18 Uhr / Frühling / bewölkt & windig / Luft Temp. 22 Grad

Gewässer:           See, Sicht 4 – 8 m / Wasser Temp. 10 Grad

Anamnese:          keine frühere Tauchzwischenfälle – wenig geschlafen die ganze Woche – kaum Anstrengung da Sidemount – leicht dehydriert – keine Medikamente, Drogen, Nichtraucher – nach dem TG ein Bier

Atemgas:             Luft

Tauchgang:         6 Tauchgänge innerhalb 4 Tage Letzter TG 86 min max. 21 m – Grundzeit 35 min auf ca. 20 m

Buddie(s):            280 TG / CMAS **

Ausrüstung:        Eigene Ausrüstung – Sidemount – Ausrüstung Neu

TÖDLICHER Tauchunfall:


Auffindung:

Vermutlicher Unfallhergang:

NICHT tödlicher Tauchunfall:


Unfallhergang:     ca. 30 min nach dem Tauchgang auftreten von starken Schwindel, Gangunsicherheit und Übelkeit mit Erbrechen

Vermutliche Ursache?:

THERAPIE


Erste Hilfe:             leider kein Sauerstoff verabreicht, da selber nicht als Tauchunfall erkannt, sondern als Schwächeanfall abgetan

Weitere Therapie: 8x Hyperbare Sauerstofftherapien & Kortisontherapie mit Solu Dacortin 250 mg über 3 Tage

Tauchmedizinische Diagnosen:            susp. Dekompressions-assoziierte Innenohrproblematik – Vestibularisausfall rechts- taucherisch relevanter Rechts Links Shunt bei persistierender Foramen ovale.

Unfallfolgen:         1 Woche Krankenstand – auf Dauer keine körperliche Einschränkung

Zum Profil

Kommentar der ÖGUHM:

Der Dekompressionsunfall mit Innenohr DCS rechts ist ursächlich mit den doch sehr langen letzten beiden TG mit Pressluft zu erklären, wodurch es zu einer hohen N2 Belastung kam (siehe TG Profile im Anhang). Höchstwahrscheinlich spielte aber auch das PFO eine Rolle. Taucher mit attestiertem PFO sollten sog. „Low Bubble Diving“ (LBD) praktizieren (Richtlinien dazu unter www.suhms.org), was auch heißt von Dekotauchgängen Abstand zu nehmen und nicht mit Pressluft zu tauchen, sondern NITROX mit möglichst hohem O2 zu verwenden, um die N2 Blasenbildung möglichst klein zu halten.

Zur Verwendung von 100% O2 als Dekogas nach entsprechend tiefen TG liegen keinerlei Studien vor. Die bereits gebildeten N2 Blasen könnten trotzdem in 6m Tiefe über das PFO wiederum eine DCI (DCS oder AGE) auslösen, mit möglicherweise schwerwiegenderen Folgen. CCR mit flexiblem Gemisch und best mix bei pO2 1,3-1,4 und Safety Stop ab 6m mit 100% O2 wäre eine bessere Option und natürlich könnte man mit CCR auch mit Heliox bzw. Trimix tauchen und damit das Risiko stark minimieren.

Ultima ratio, falls unbedingter Wunsch zum Tec Diving besteht (Taucher absolvierte ein Intro zum Tec Diver), aber mit einem gewissen Risiko verbunden, ist das Verschließen des PFO mit einem Occluder (Schirmchen). Aus der Sicht der Tauchmedizin wäre es aber am Vernünftigsten bei attestierten PFO und bereits stattgehabtem Tauchunfall, der noch einmal glimpflich ausgegangen ist, vom Tec Diving Abstand zu nehmen und alle Regeln des „Low Bubble Diving“ zu praktizieren.

Veröffentlicht: 13 September 2021

Alter:                      30

Geschlecht:           männlich

Brevet:                   AOWD

Zeit:                       Mitte Juni

Gewässer:            Meer

Anamnese:           keine relevanten Vorerkrankungen

Atemgas:              Pressluft

Tauchgang:          Im Rahmen der PADI Rescue Ausbildung absolvierte der Taucher einige Übungen, wie man einen bewusstlosen Taucher an die Oberfläche bringt. Kurz vor dem Unfall „spielte“ er selbst den bewusstlosen Taucher.

Bei der Rescue-Übung Abschleppen eines verunfallten Tauchers im Anschluss verspürte der Taucher plötzlich starke Atemnot und Rasseln in der Brust. Einige Tage lang Husten und blutiger Auswurf. Suchte deswegen nach einigen Tagen wieder in der Heimat ein Krankenhaus auf.

Buddie(s):

Ausrüstung:

TÖDLICHER Tauchunfall:


Auffindung:

Vermutlicher Unfallhergang:

NICHT tödlicher Tauchunfall:


Unfallhergang:               s.o.

Vermutliche Ursache?: Entweder Barotrauma der Lunge durch mehrere Aufstiegsübungen hintereinander oder „Lungenödem des Tauchers“ nach anstrengender Abschleppübung

THERAPIE


Erste Hilfe:                    Abbruch der Rettungsübung und Ruhepause

Weitere Therapie:         Keine spezifische im Heimatkrankenhaus, nur Diagnostik

Tauchmedizinische Diagnosen:      Diagnostik: BGA normal,

HR-CT:                          keine zentrale oder periphere Lungenembolie, kein Pneumothorax. In beiden Lungenflügeln symmetrische milchglasartige Infiltrate, insbesondere im OL bds und milchglasartige Opazitäten im re ML und UL bds, DD: Lungenödem nach Anstrengung – Barotrauma der Lunge? Echokardiographie unauffällig, keine Hypertonie Unfallfolgen:: keine bleibenden Schäden – Kontroll HR-CT ob., Lungenfunktion ob.

Kommentar der ÖGUHM:

In beiden Lungenflügeln symmetrische milchglasartige Infiltrate, insbesondere im OL bds und milchglasartige Opazitäten im re ML und UL bds … “

Die Veränderungen waren offenbar diffus, was sehr gut für ein Lungenödem passen würde.

Bei einem Barotrauma erwarte ich im CT einen Pneumothorax oder allenfalls Areale mit erhöhter Strahlentransparenz, die jedenfalls nicht als GGO (ground glass opacity) beschrieben werden würden. GGOs haben eine verminderte Strahlentransparenz. Die Klinik beschreibt eher ein Lungenödem:

„… Bei der Rescue-Übung Abschleppen eines verunfallten Tauchers im Anschluss verspürte der Taucher plötzlich starke Atemnot und Rasseln in der Brust. Einige Tage lang Husten…“

blutigen Auswurf finde ich allerdings weniger charakteristisch.

ABER:„..suchte nach einigen Tagen wieder in der Heimat ein Krankenhaus auf …“ Einige Tage später kommt es zu Reparaturmechanismen, die auch bei einem Barotrauma als GGO beschrieben werden würden.

Ohr-Barotrauma beim Fotoshooting

Veröffentlicht: 13 Dezember 2021

Alter:             26

Geschlecht:  weiblich

Brevet:          keines

Zeit:               Herbst 2021

Gewässer:    Tauchbecken

Anamnese:   UW-Fotoshooting – eine sehr gute Schwimmerin soll in Meerjungfraukostüm in 3m posieren. Niemand hat ihr den Druckausgleich erklärt – wird mit Bleigürtel 3kg beschwert.

Atemgas:      Apnoe

Tauchgang:   Apnoe

Buddie(s):     Tauchlehrer **, >500 TG

Ausrüstung:  Badekleidung


NICHT tödlicher Tauchunfall:


Unfallhergang:               Beim Abtauchen stechen beide Ohren – macht keinen Druckausgleich

Vermutliche Ursache:   Fehlender Druckausgleich

THERAPIE


Erste Hilfe:                      wird mit Ohrenstechen zum HNO Arzt geschickt

Weitere Therapie:          Abschwellende Nasentropfen, Analgetika

Tauchmedizinische Diagnosen:                     Barotrauma bds (re TF-Perforation TEED re Stadium IV v. IV, li blutiger Paukenerguss III v. IV)

Unfallfolgen:                  Audiogramm m.g. Schallleitungsstörung li>re

Bemerkungen:               Tauch- und Schwimmverbot für 4 Wo

Kommentar der ÖGUHM:

Apnoe- und Gerätetaucher wissen, dass beim Abtauchen ein Druckausgleich zu machen ist. Ein Nicht- Taucher/in, der/die das nicht weiß und nie gelernt hat und abtaucht, riskiert ein Barotrauma zu erleiden, wie im vorliegenden Fall.

Hinzu kommt, dass das Schwimmen mit einem Kostüm mit Monoflosse nicht so einfach ist und ebenfalls gelernt sein muss!

Eine weitere Gefahr, an die man beim Fotoshooting unter Wasser denken muss, ist, dass das Model keinesfalls sich in der Tiefe von einem Gerätetaucher Luft holen darf, um länger unter Wasser bleiben zu können, ohne genaue Instruktion, dass man beim Auftauchen ausatmen muss. 

Es sind bei solchen Aktionen schon Lungenrisse mit arterieller Gasembolie (AGE) vorgekommen aus nur geringer Tiefe!

Da der Fotograf sehr wahrscheinlich ein Gerätetaucher war, hätte er dies wissen und das Model auch

entsprechend instruieren müssen. Er hätte zuerst Checkdives (ohne Monoflosse) mit Lernen des Druckausgleiches, dann mit Monoflosse und erst zum Schluss mit Gewichten machen dürfen. 

Sollte dieses Foto-Shooting für gewerbliche Zwecke im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses gemacht worden sein, ist der Arbeitgeber sogar gesetzlich verpflichtet (ASCHG § 14), vorher eine genaue Unterweisung zu machen und sich zu vergewissern, dass die Arbeitnehmerin alle diese Vorgaben auch beherrscht.

Aber auch im privaten Bereich trägt in diesem Fall derjenige, der eine Tauchausbildung hat, die Verantwortung für andere, die das nicht haben.